Dreifaltigkeitssonntag: Mt 28,18-20

 

Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

 

 

Das Fest der Dreifaltigkeit bietet nochmals eine gute Gelegenheit auf die vergangenen Wochen zurückzuschauen, in denen wir dem dreifaltigen Gott als Handelnder in der Geschichte begegnet sind. Wir können auch von einer Dynamik der Dreifaltigkeit sprechen, die sich in dieser Geschichte offenbart. Denn weshalb bekennen wir überhaupt einen dreifaltigen Gott? Weil wir ihn unterschiedlich in der Geschichte erfahren haben. Ein dynamischer, kein statischer Gott, der ewig im Himmel thront, sondern ein Gott, der die Beziehung zu uns sucht. «Beziehung» ist auch das Stichwort dieser Predigt.

 

 

In den Evangelien sehen wir deutlich, dass der Vater als der geheimnisvolle Ursprung in einer Beziehung zum Sohn und zum Hl. Geist steht. Ein deutliches Bild dieser Trinität finden wir in der Taufe Jesu: der Geist schwebt über Jesus, der Vater bekräftigt ihn gleichzeitig als Messias. Wir sehen zwar die Trinität bildhaft vor uns, die Beziehung der drei Personen untereinander ist aber noch nicht wirklich definiert wie in der späteren «spekulativen» Trinitätstheologie.

 

Indem sich die Dreifaltigkeit im Bild der Taufe bereits an uns offenbart, tritt sie auch in Beziehung zu uns. Man kann von einer Pädagogik Gottes sprechen. Der dreifaltige Gott offenbart sich schrittweise an uns, er führt uns immer tiefer in das Geheimnis der Dreifaltigkeit ein wie wir vor allem im Johannes-Evangelium sehen können:

 

So heisst es in Joh 14,9: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Oder in Joh 10,30: der Vater und ich sind eins.

 

 

Aber auch im sog. «Taufbefehl» des heutigen Evangeliums erblicken wir das Bekenntnis der frühen Urkirche zur Dreifaltigkeit, auch wenn dieses Bekenntnis theologisch noch nicht ausgereift war: die Taufe erfolgt auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes wie wir es seither im Kreuzzeichen oder in den trinitarischen Lobpreisformeln, den sog. Doxologien bekennen.

 

 

Himmelfahrt und Pfingsten bieten eine weitere Möglichkeit über das Verhältnis des Sohnes zum Hl. Geist nachzudenken. Es gibt eine Dynamik, wonach der Vater seine Botschaft an den Sohn weitergibt. Jesus sagt von sich, er habe nur alles, was der Vater ihm aufgetragen habe, übermittelt (Joh 17,6). Er ist der Bote, der Messias für die Welt, aber auch derjenige, in dem man den Vater konkret begegnen kann. An Himmelfahrt zieht sich der Sohn zurück und macht den Weg für das Kommen des Hl. Geistes frei. Die Arbeit des Sohnes ist getan. Er muss zurück zum Vater, das Wort, der Logos, kehrt zum Vater zurück. Es ist in die Welt gesprochen worden. Jetzt ist die Zeit der Kirche, jetzt ist es an uns, das zu vollbringen, was Jesus gesagt und getan hat. Jesus bleibt gegenwärtig, aber in der Form des Geistes, der die Jünger unterstützt und bestärkt.

 

 

Wahrhaftig ein Gott in Beziehung. Er sucht diese Beziehung zu uns, indem er sich offenbart. Eine Dynamik zur Welt, zu seiner Schöpfung hin. Diese Schöpfung selbst ist Ausdruck des Ausflusses der innertrinitarischen Beziehung.

 

 

Sie ist dabei mehr als nur ein Ausdruck der Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf. Wir werden in diese innertrinitarischen Beziehung geradezu hineingenommen: Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast (Joh 17,21). Die Trinität ist in uns und wir in ihr. Wir sind Mitarbeitende Gottes in der Verbreitung des Reiches Gottes und seinem Wort. Wir sind also nicht nur die Adressaten der Botschaft, sondern auch diejenigen, die sie weitertragen sollen. Nach Mk 16,15 soll das Evangelium sogar der ganzen Schöpfung gepredigt werden, nicht nur den Menschen. Das Heil ist universell. Die Schöpfung, die in Geburtswehen liegt, erwartet das offenbar werden der Kinder Gottes (Röm 8,22-25). Gott richtet seine Botschaft des Heils an die ganze Schöpfung wie es Jes 11,1-9 bereits prophezeit, ein Friede, der alle Schranken übersteigt und in der Herrlichkeit des neuen Jerusalem mündet: Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. [1] Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen (Offb 21,1-4).

 

 

Alles geht von Gott aus und findet sein Ziel wieder in Gott, in der innertrinischarischen Dynamik.

 

Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich einen besonderen Bezug zur Trinitätsikone von Andrei Rubljow habe. Für mich beinhaltet sie im Bild genau alle Aspekte der klassischen Trinitätstheologie ohne zu theoretisch zu wirken. Das Wesen Gottes ist Dynamik und Beziehung. Gott ist kein statischer Gott, auch wenn er ewig ist, aber man kann von einer dynamischen Ewigkeit oder ewigen Dynamik der drei Personen sprechen. Gott sucht die Beziehung zu seiner Schöpfung. Ein Gott, der sich in der Geschichte offenbart, der gesucht werden will: Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen (Ps 27,8).

 

Diese beiden Aspekte: Dynamik und Beziehung finden wir bildhaft in der Trinitätsikone von Rubljow wieder.

 

Die drei Köpfe bilden einen imaginären Kreis, den die Dynamik in Gott ausdrückt. Die Beziehung untereinander wird durch den Blickkontakt hergestellt. Diese Beziehung ist nicht statisch. Wer wen genau anschaut, ist nicht definiert. Am ehesten blickt die linke Figur zu den anderen beiden. Doch betrachtet man das Bild etwas länger, so könnte man auch meinen, alle drei Figuren schauen den Betrachter an oder die linke und die mittlere die rechte Figur. Was können wir daraus folgen: Gott ist in sich nicht statisch. Beziehung drückt sich im Blickkontakt zum anderen aus. Die Art und Weise wie ich mein Gegenüber anschaue, definiert die Art der Beziehung, die ich zu diesem Gegenüber habe. In der Liebe verlieren wir uns gar im Blick des Anderen. Wir werden gesehen und erkannt. Der Blickkontakt ist wie ein unsichtbares Band zwischen den Personen. Das behaupten wir auch von Gott als Dreifaltigen. Ein Gott, der in sich Beziehung ist, nämlich die Beziehung des Vaters, zum Sohn, zum Hl. Geist. Die Einheit in Gott wird über dieses Beziehungsgeschehen hergestellt. Die Personen werden aber dennoch in den Farben ihrer Gewänder unterschieden (der Sohn in der Mitte rot und blau, der Hl. Geist rechts mit dem grünen Gewand der Hoffnung). Dabei sind sie wesensgleich, sie begegnen sich sozusagen auf Augenhöhe. Einheit, Unterschiedenheit, Wesensgleichheit. In der Theorie schwierig zu erklären, doch wird auf dem Bild dieses Paradox der Einheit in Unterschiedenheit sofort verständlich. Dem Maler Rubljow gelang es in wenigen Pinselstrichen die Essenz der sog. „spekulativen Trinitätstheologie“ darzustellen.

 

 

Dabei fällt der Altar in der Mitte des Bildes auf. Er weist auf das Kreuzesopfer Jesu hin, aber auch auf die Eucharistie. Dieser Gott für uns, der die Beziehung zu uns durch die Offenbarung sucht und uns zur Mission aussendet, ist auch der Gott, der sein neues Volk aus allen Völkern sammelt. Der Betrachter der Ikone ist in dieses Bild hineingenommen, indem er zum Tisch des Herrn, dem Tisch der Danksagung, der Eucharistie, hinzutritt. Er wird gleichsam in die Kreisdynamik der Trinität hineingenommen.  

 

 

In unserer Liturgie beten wir: Wie einst das Brot, das wir brechen, bei der wunderbaren Brotvermehrung verteilt wurde, um uns alle zu einen, so soll deine Kirche aus allen Enden der Erde in Dein Reich versammelt werden (Didaché).

 

 

Die Heilsgeschichte gründet in der Trinität, sie geht von ihr aus und mündet wieder in ihr. In der Betrachtung dieser Ikone werden wir hineingenommen, sie schaut uns an, die Personen darauf treten in Beziehung zu uns. Gott ist dreifaltig, dynamisch, lebendig.

 

 

 

 

 

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Pfarrerin Birgit Leisegang