Predigt zur Hochzeit zu Kana: Joh 2,1-12

 

 

«Mache dich auf, werde Licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir.» (Jes 60,1).

 

Diese aufgehende Herrlichkeit kann als Motto für die ersten drei Epiphanie-Sonntage gelten. Nachdem wir an Weihnachten die Geburt Jesu als Mensch gefeiert haben, betrachten wir während der Epiphanie-Zeit die Gottheit Christi, d.h. das göttliche Geheimnis, das in der Person Jesu aufstrahlt. An Dreikönig werden wir zur Krippe als den Ort der wahren Anbetung Gottes geführt. Der allmächtige Gott zeigt sich uns als demütiges Kind, damit wir nicht vor ihm erzittern, sondern ihn bereitwillig in unsere Herzen aufnehmen können. Die Taufe Christi wiederum ist die Offenbarung der Dreifaltigkeit und die Berufung Jesu zum Messias. Das Weinwunder an der Hochzeit von Kana schliesslich offenbart seine Herrlichkeit anfanghaft und verborgen am Beginn seiner Tätigkeit. Als «Zeichen" will es Glauben an die anbrechende Herrschaft Gottes bewirken und auf die Vollendung am Kreuz hinweisen, wenn seine Stunde gekommen ist.

 

 

1.     Das Bild der Hochzeit – Fülle des Lebens

 

Die Erzählung selbst ist voller Symbolik, aber ich möchte einfach auf das Bild der Hochzeit und des damit verbundenen Mahles eingehen. Es kann als Symbol für das gesamte Wirken Jesu als Verkündigung des Euangelions, der frohen Botschaft, verstanden werden. Mit Hochzeiten verbinden wir für gewöhnlich fröhliche, ausgelassene Familienfeste voller Lebensfreude. Nicht anders war es zur Zeit Jesu. Damals dauerten Hochzeiten mehrere Tage und die ganze Dorfgemeinschaft war eingeladen wie es in vielen Kulturen heute noch üblich ist.

 

Mit dem Bild der Hochzeit sind zwei weitere Bedeutungen verbunden. Zunächst einmal die Fülle des Heiles, das uns Jesus in seinem Leben vermitteln wollte. Eine Fülle, die auch das Kreuz mit-einschliesst, aber doch in der Auferstehung und Himmelfahrt mündet, letztendlich in der Vollendung der ganzen Schöpfung am Jüngsten Tag. Er möchte, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben. Dieses neue Leben ist auch der Neue Bund Gottes mit den Menschen. Der Bundesgedanke schwingt als zweite Bedeutung ebenfalls in der Symbolik der Hochzeit, des Ehebundes, mit. Eine geradezu intime Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen, ein Bund, der in die Herzen der Menschen eingeschrieben werden wird wie es der Prophet Jeremia verheisst (Jer 34,31-34).

 

Die Erfahrung des messianischen Heils und des anbrechenden Gottesreiches im Bild des Festmahles durchzieht die gesamte Verkündigung Jesu und sein Handeln, wenn er zeichenhaft Mahl mit den «Sündern»,d.h. mit den Ausgestossenen und Armen der damaligen Gesellschaft hält. Der Neue Bund ist daher inklusiv, ein Bund der bedingungslosen Liebe und Annahme durch Gott, ein Bund, in dem wir auf die Güte und die Vergebung des «himmlischen Vaters» hoffen dürfen.

 

Christliches Leben ist somit nicht in erster Linie Moral oder eine Ansammlung von asketisch anmutenden Bussübungen, die verrichtet werden müssten, um von Gott angenommen zu werden, sondern die Erfahrung der Fülle des Heils und der Freude der Erlösung. Das unterstreicht auch die Menge des Weines, geht es in unserer Erzählung doch um ca 480-720 Liter.

 

Der Wein ist bei Juden wie Heiden gleichsam Zeichen der Lebensfülle und erinnert auch an die Eucharistie, das Mahl und Hinweis auf Tod und Auferstehung Jesu sein will. Als Christin nehme ich Teil an dieser Freude und Liebe Gottes zu allen Menschen, bin bedingungslos angenommen, so wie ich bin und integriert in die grössere, bunte Gemeinschaft der Kirche. Aus der Erfahrung dieser Fülle und dieser bedingungslosen Annahme erwächst alles andere, auch das moralische Handeln gegenüber meinem Nächsten, geleitet durch die Grundmaxime der Liebe als Erfüllung des Gesetzes wie Paulus schreibt. Es besteht kein moralischer Zwang, sondern ein Handeln aus Liebe und der Erfahrung dieser bedingungslosen Annahme.

 

Ich denke, es ist wichtig, sich als Christ die ehrliche Frage zu stellen: wo habe ich diese Erfahrung der Fülle und der bedingungslosen Annahme machen dürfen?

 

Das führt uns auch zur Frage nach der Art des Wunders, das in dieser Erzählung beschrieben wird.

 

 

2.     Das eigentliche Wunder ist unscheinbar

 

Das erste Zeichen, das Jesus wirkt, ist nämlich bei genauerem Hinsehen unscheinbar und nicht die öffentliche Demonstration eines Wundertäters. Die Szene ist konkret in diese Hochzeitsgesellschaft verortet, also in einen nicht-religiösen Rahmen. Man ist zu Tisch, der Wein geht aus, eine etwas eher peinliche Verlegenheitssituation. Die Wasserkrüge, die für die vorgeschriebenen Reinigungen benutzt werden, sind offenbar leer. Mitten in dieser eher peinlichen Situation geschieht dieses Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein. Es ist die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn im Verborgenen, denn der Evangelist beschreibt nicht wie das Wunder geschieht. Es wird nur dadurch sichtbar, dass der «Festordner» oder «Speisemeister» das Wasser vorkostet, das zu Wein geworden war. Die Hochzeitsgäste, ausser der Diener und der Jünger, die dadurch zum Glauben kommen, wissen nicht, woher dieser Wein stammt.

 

Jesu Wunderhandeln geschieht nicht immer öffentlich, sondern teilweise im Verborgenen, im scheinbar Alltäglichen. Bei Johannes haben sie noch einen zeichenhaften Charakter, daher werden sie nicht als Wunder, sondern als Zeichen, als Hinweis auf die aufscheinende Herrlichkeit und die Nähe Gottes gedeutet. Für uns kann das nur bedeuten, dass Gottes Herrlichkeit sich im Konkreten und Alltäglichen ereignet und nur mit den Augen des Glaubens erkannt werden kann. Sehe ich meinen Alltag als eine Ansammlung von glücklichen oder unglücklichen Zufällen oder erkenne ich im Unscheinbaren seine Zeichen, seine Spuren? Ist meine Biographie eine Ansammlung von Zufälligkeiten oder ein Netzwerk von roten Linien und Lebensthemen, die mir immer wieder begegnen und die ein Hinweis auf einen scheinbar göttlichen Plan sein können?

 

Ich möchte euch hiermit einladen, in eurem konkreten Leben diesen Wundern nachzuspüren, um seine Herrlichkeit immer mehr erfassen und erfahren zu können. Die Schöpfung ist durchtränkt mit der Göttlichkeit, aber haben wir auch Augen um dies zu erkennen?

 

 

 

 

 

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Pfarrerin Birgit Leisegang