Predigt: Wesen der Liebe ist die Hingabe: 1 Kor 13, 1-13

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete und hätte der Liebe nicht…. 

Etwas mit Liebe und Hingabe tun, es mit Herz tun. Das Herz ist das Symbol der Liebe und Wärme schlechthin, nicht nur am Valentinstag. Wir mögen Menschen, die Dinge mit Liebe und Hingabe tun: Kochen, jemanden pflegen, seinen Beruf ausüben. Wir spüren gleich Wärme, wenn jemand etwas mit Herz tut. Umgekehrt empfinden wir es als lieb-los, wenn nicht das Herz dabei ist, auch wenn jemand noch so grossartig ist.

Paulus spricht in der eben gehörten Lesung davon, dass unsere Handlungen leer wirken, wenn sie nicht von Liebe und Hingabe erfüllt sind. Selbst die größte Weisheit wirkt leer wenn sie nicht von der Liebe getragen wird. 

Der heutige Valentinstag, aber auch die Lesungen laden dazu ein, über das Wesen der Liebe als Hingabe nachzudenken. 

Liebe findet nicht nur in der Partnerschaft statt, obwohl dieser Aspekt am Valentinstag gerne kommerziell ausgeschlachtet wird. Längst nicht alle leben in einer sog. glücklichen Beziehung, sondern sind gewollt oder ungewollt Singles oder haben gerade jemanden durch Trennung oder Tod verloren. Und trotz der vielschichtigen Lebensrealität sind wir grundsätzlich alle zu Liebe fähig oder sehnen uns danach. Liebe zeigt sich in verschiedenen Formen und widerspiegelt dabei eine Grundhaltung des Menschen. 
Liebe mündet in der Hingabe. Liebe verströmt sich, sie kommuniziert, ist wesentlich auf das Gegenüber ausgerichtet und strebt in ihrem Wesen nach Hingabe. Sie findet darin ihre Erfüllung. 

Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. 
Ich erkenne den Anderen und finde mich im Anderen wieder. Die körperliche Vereinigung ist dabei nur eine Form dieses Vorgangs, denn man kann mit Liebe und Hingabe auch eine tiefe Freundschaft pflegen oder sich einer Sache oder einem Projekt widmen, egal wie anstrengend es ist. 

Dieser Hingabe haftet etwas Totales an sich, denn wer etwas oder jemanden liebt, wird sich vollkommen hingeben (wollen). Hingabe ist grenzenlos und schliesst eine gewisse Form von Opferbereitschaft mit sich ein. Ich bin dann in diesem Moment auch bereit, Schwierigkeiten auf mich zu nehmen. Liebe bedeutet daher auch neben der Erfüllung, Schmerz zu ertragen oder zu durchleiden, ob in Form von Liebeskummer oder einer besonderen Anstrengung. Vielleicht bin ich auch bereit etwas zu opfern, eventuell meine Bedürfnisse zugunsten des Anderen zurückzunehmen.

In unserer ersten Lesung waren Abraham Liebe und Vertrauen zu Gott so wichtig, dass er sogar bereit war, sein Liebstes, seinen Sohn Isaak, der Sohn der Verheissung wider aller Vernunft zu opfern. Äusserlich gesehen geht es in dieser Erzählung um eine Glaubensprüfung, vielleicht ein Erweis blinden Gehorsams, doch tiefer gesehen handelt diese Geschichte von der Hingabe. Nicht nur die Hingabe in Form des Opfers des Erben, sondern auch um die Hingabe Abrahams an diesen geheimnisvollen Gott.
Tun wir aus Liebe nicht auch manchmal verrückte Dinge und legen ein fast naives Vertrauen an den Tag?

Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand

Was mag in diesem Moment in Abraham vorgegangen sein? Dieser Gott, der ihm einen Erben schenkt, obwohl seine Frau Sara keine Kinder bekommen kann, der ihm verheisst, dass er zu einem großen Volk heranwachsen wird, verlangt von ihm ausgerechnet den verheissenen Erben zu opfern. Das macht keinen Sinn und musste bestimmt irritierend für Abraham gewesen sein. Die Hingabe an Gott verlangt von ihm alles ab, auch die Annahme des Irrationalen, Unverständlichen. Unser Verstand rebelliert dagegen, nur das Herz, das seine Gründe hat, vermag das schier Unmögliche zu ertragen und einen Weg zu folgen, der alles Verstehen übersteigt. 
In der Beziehung zu einem anderen Menschen, aber auch wenn wir uns einer Sache ganz widmen, gibt es immer wieder diesen irrationalen Moment. Der geliebte Mensch handelt nicht so wie wir uns das wünschen oder entwickelt sich in einer Weise, die nicht wünschenswert ist. Das kann Beziehungen belasten. Das kann aber auch bei dem passieren, was wir aus Liebe tun. Vielleicht bereitet der Traumberuf Schwierigkeiten. Wenn ich an meinen Gassendienst denke, so ist diese bei all den erfüllenden Momenten nicht immer einfach.  

Die Liebe hält trotzdem allem Stand. In ihr wohnt eine eigentümliche Kraft, die hilft, Schwierigkeiten zu überwinden. Krisenmomente in einer Paar- oder Freundschaftsbeziehung kennen wir alle. Können wir den Konflikt auf eine gute Art lösen, dann merken wir, wie sich diese Beziehung festigt und stärkt. Manchmal braucht es vorübergehend eine Trennung, um vielleicht auch wieder zueinander zu finden. 
Im heutigen Evangelium spricht Jesus über sein bevorstehendes Leiden. Jesus selbst lebte ein Leben der Hingabe bis in den Tod am Kreuz: Was willst du, dass ich dir tue?

Seine Heilungen waren nicht nur Taterweise seiner göttlichen Macht, sondern Ausdruck seiner Hingabe an den leidenden Menschen. Der Blinde ruft sehnlichst: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus lässt sich vom Schrei anrühren und wendet sich dem Blinden zu. Eine einfache Herzenstat aus Liebe: Was willst du, dass ich dir tue?

Jesu Hingabe an seine Berufung, an die Menschen führte ihn zur Ganzhingabe am Kreuz. Er ging seinen Weg konsequent bis zum bitteren Ende, auch wenn dieser ihn in Konflikte und damit in den Tod führte.  

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

Totalhingabe kann in letzter Konsequenz bedeuten, sein Leben für jemanden oder einer Sache zu opfern. Daher ist auch die sog. Opferung Isaaks Vorausbild des Opfers Christi, nicht weil ein rachsüchtiger Gott den Tod seines Sohnes will, sondern weil Jesus selbst, aus freiem Willen, aus Liebe und Hingabe, diese letzte Konsequenz annimmt und sich den Feinden ausliefert.

Die Liebe hält allem Stand. Sie vermag alles zu überwinden. Das Kreuz wird zum Ort der Transformation. Jesu Tod ist nicht endgültig. Als Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, aber wieder aufersteht und Frucht bringt, wird Jesus selbst wieder auferstehen.

Daher haftet der Liebe etwas Göttliches an. Im ersten Johannes – Brief heisst es: Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm (1 Joh 4,16).

In den schmerzhaften Momenten einer Beziehung oder einem Engagement erleben auch wir die transformierende Kraft der Liebe, die selbst den Tod zu überwinden vermag. 
Gestärkt gehen wir aus solch einer Krise hervor. Sie wird für uns zum Moment der Auferstehung.

Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk… Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

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