4. Epiphaniesonntag – Sturm auf der See: Mt 8,23-27


Er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm nach. Und siehe, es erhob sich auf dem See ein gewaltiger Sturm, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief. Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde! Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein. Die Menschen aber staunten und sagten: Was für einer ist dieser, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?


Er stieg in das Boot ….


Menschen sitzen dicht gedrängt in einem Boot. Wir kennen diese Bilder aus dem Fernsehen. Die unzähligen Flüchtlingsboote übers Mittelmeer. Klein, unsicher, viele finden darauf den Tod. Die Fahrt übers Meer ist gefährlich.

Unsicherheit und Angst, dicht gedrängt mit fremden Menschen in einer lebensbedrohlichen Situation ausgeliefert sein. Geflüchtet, alles hinter sich gelassen, nicht mehr zurück können. Wo wird die Reise hinführen? Ans andere Ufer, das noch nicht in Sicht ist. 


Der Sturm…..


Der übermächtige und gewaltige Sturm, der alles überflutet, auch das kleine wacklige Boot. Eisige Winde, der Regen peitscht um das Gesicht, die kleine Nussschale droht zu kentern… 


Das Boot…..


Das Boot ist Sinnbild auch meines Lebens. «Wir sitzen in einem Boot", heisst es, wenn wir uns mit anderen in einer bestimmten Situation befinden, aus der wir nicht mehr herausfinden oder wenn wir mitverantwortlich gemacht werden für Taten, die wir nie begangen haben. Wir sitzen dann alle im selben Boot und können nicht heraus, mitten im Sturm des Lebens.


Die Stürme des Lebens, die mein kleines Lebensboot fast zum kentern bringen können. Ich fühle mich allein, hilflos, überrannt. Das Boot schwankt ziel – und planlos umher, nicht nur im Fernsehen, wo ich das einsame Flüchtlingsboot in der Nacht sehe, das durch heftige Winde getrieben wird. Auch ich werde häufig durch die Elementarmächte des Universums getrieben, selbst wenn ich in der gemütlichen Stube vor dem Fernseher sitze. Manchmal weiss ich nicht so recht wohin mit meinem Leben, vor allem wenn Sorgen mich erdrücken.


Jesus aber schlief.


Gott schläft. In unseren Sorgen haben wir oft das Gefühl, dass Gott schläft. Hört er überhaupt mein Geschrei oder dasjenige der Flüchtenden auf dem Boot? Er schläft, ruhig und gelassen, dabei ist Jesus selbst in dieser unsicheren Nussschale. Woher nimmt er bloss diese Ruhe, werden sich die Jünger gefragt haben?


Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde 


Umso erstaunlicher ist seine Antwort: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?


Liebt Jesus die Gefahr? Was macht ihn so ruhig? Die Jünger hätten erwartet, dass er plötzlich den Sturm um ihn herum wahrnimmt und darüber erschrocken ist. Doch er bleibt ruhig und souverän. Er weiss, dass er nur den Winden und dem sich auftürmenden Wasser  befehlen muss, sich zu beruhigen und sie gehorchen ihm. Zur Recht fragen sich jetzt die Jünger: Was für einer ist dieser, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?


Gewiss will die Erzählung die Messianität Jesu hervorheben indem er als Herr über die Elemente gezeigt wird. Aber diese Sicht greift meiner Meinung zu kurz. Jesus hinterfragt meinen Kleinglauben und meine Angst.

So stellt sich für mich zunächst die Frage, ob ich Jesus überhaupt in mein Lebensboot lasse. Mit Jesus im Boot sein. Vielleicht nehme ich das nicht so wahr, wenn er mit mir im Boot ist. Er schläft und macht sich irgendwie nicht bemerkbar und allzu oft bemerke ich auch ihn nicht, lebe an ihm vorbei mit meinen Alltagssorgen. Ich nehme ihn also eher als Schlafenden wahr, denn als Herr über die Stürme meines Lebens.


Es genügt ihn aufzuwecken wie die Jünger es taten. Er hilft auch bereitwillig. Doch hinterfragt er mit seiner brüsken Antwort einen allzu naiven Wunderglauben: Warum hast Du solche Angst, du Kleingläubiger?


Das ist nicht sehr beruhigend, vor allem wenn mir das Wasser bis zum Hals reicht und mich wirkliche Lebensproblemen plagen wie Scheidung, Verlust der Arbeit, Armut, Krankheit…. Und in all dem spricht Jesus davon, dass wir keine Angst haben sollten so wie er.


Sicher darf ich mich vertrauensvoll an ihn wenden, damit ER die Stürme des Lebens besänftigt, aber zuvor fordert er etwas anderes von mir: Hab keine Angst!


Hab keine Angst in den Sturm zu geraten und durch ihn hindurch zu müssen. Denk und glaube in grösseren Dimensionen. Nicht nur daran, dass Jesus als Gottes Sohn Macht über die Elemente hat oder dass es Gott gibt, der alles in Ordnung bringt, sondern lege den Kleinglauben ab und lerne dann noch zu glauben, wenn du überhaupt nicht mehr glauben kannst. 


Jesus fordert mich dazu auf: die Angst abzulegen, auch meinen religiösen Kleinglauben. Gott ist nicht einfach ein Wundertäter, der es mir gut gehen lässt und mich aus allem befreit. Nein, ich lerne in den Stürmen des Lebens keine Angst mehr zu haben, zu vertrauen, dass ER mich trägt und dass der Sturm wieder vorbeizieht. 



Kontakt

Bruggerstrasse 137

5400 Baden

MAIL: birgitte_leisegang@hotmail.com

TEL: 0041797727617

Spenden

Konto: 89-182025-8

IBAN: CH12 0900 0000 89182025 8

BIC: POFICHBEXXX

Kontobezeichnung: Mission gallicane Sainte Trinité

 

 

Pfarrerin Birgit Leisegang