Predigt am 13.7.2019 zum 5. Sonntag – 1 Petr 3,8-15

 

 

 

Endlich aber: Seid alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und Liebe zueinander, seid barmherzig und demütig! Vergeltet Böses nicht mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung! Im Gegenteil: Segnet, denn dazu seid ihr berufen worden, dass ihr Segen erbt. Es heißt nämlich: Wer das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht, der bewahre seine Zunge vor Bösem und seine Lippen vor falscher Rede. Er meide das Böse und tue das Gute; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten und seine Ohren hören ihr Flehen; das Antlitz des Herrn aber richtet sich gegen die Bösen. Und wer wird euch Böses zufügen, wenn ihr euch voll Eifer um das Gute bemüht? Aber auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leidet, seid ihr seligzupreisen. Fürchtet euch nicht vor ihnen und lasst euch nicht erschrecken, heiligt vielmehr in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.

 

 

 

Die Lesung aus dem Petrusbrief verweist auf den Umgang der Christen miteinander bzw. wie wir uns gegenüber der Welt verhalten sollen. Dabei werden zwei grundsätzliche Haltungen deutlich, die den/die Christen/in auszeichnen soll: einen geschwisterlichen Umgang innerhalb der Kirche, indem man gütig, barmherzig, mitleidvoll miteinander ist und eine furchtlose, friedfertige Haltung gegenüber der Welt, selbst wenn man kritisiert wird. Eine Haltung also der Offenheit, der Freiheit, der Furchtlosigkeit, der Friedfertigkeit, die befähigt, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach dem Grund der Hoffnung fragt.

 

 

 

Betrachten wir zunächst einmal den Umgang innerhalb der Kirche miteinander: Hier wird das Bild von einer Kirche als einer Familie bzw. einer Lebensgemeinschaft gezeichnet, in der wir einander dienen, mitleidvoll und demütig sind. Inder wir auch Konflikte friedlich (Nicht Bösem mit Bösem vergelten) austragen. Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen, schreibt bereits Paulus im Galaterbrief (6,2).

 

 

 

Ich denke, das Thema einer geschwisterlichen Kirche ist heutzutage aktueller denn je. Und mit Recht wird sie auch eingefordert. Einander zu dienen, auch gegenseitig zu ermahnen wie es im Kol 3, 13-16 heisst: Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen!

 

 

 

Leider haben wir uns über die Jahrhunderte zu sehr an eine Untertanen- Versorgungskirche gewöhnt, indem der Klerus herrscht und die Laien zu schweigen und zu dienen haben, wenigstens wurde in den Klöstern und geistlichen Bewegungen immer wieder versucht, diesen ursprünglichen geschwisterlichen Geist zumindest dem Ideal nach zu leben. Aus einer Kirche der Brüder und Schwestern wurde immer mehr eine Kirche der Herrschenden und Beherrschten. Diese Haltung gilt es heutzutage abzulegen und es geschieht bereits. Der heutige Mensch lässt sich nicht mehr einfach vorschreiben, wie und was er glauben soll und wie er zu leben hat. Mit einer schulmeisterlichen Haltung erreicht man heute die Menschen nicht mehr. Das kann schwierig sein, aber sicher auch eine Chance über die Frage, was und wer Kirche ist, nachzudenken. Dabei meine ich nicht nur die äusserliche Veränderung von Strukturen, sondern eine innere gläubige Haltung, die sich aus den oben genannten Texten speist. Diese Umkehr verlangt viel Demut, denn es ist manchmal schwierig, liebgewordene Verhaltensweisen aufzugeben, aber ich bin der Überzeugung, wenn wir Christus in unserem Herzen heiligen und es uns um die Bewahrung des wahren biblischen Glaubens geht, dann werden wir auch diese Veränderungen an uns geschehen lassen, auch wenn sie u.a. mit einem Verlust an Macht und Prestige einhergehen. Volle Kirchen sind heute nicht mehr als selbstverständlich anzunehmen.

 

 

 

Mit einer demütigeren, geschwisterlichen Haltung gegen innen, geht auch eine dialogische Haltung der Welt gegenüber einher: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. Belehrung von oben her oder gar eine Abschottung gegenüber der Welt, was ohnehin diametral zu unserem Missionsauftrag steht, stossen auf taube Ohren, vor allem in unserer westlichen Kultur. Der moderne Mensch lebt in einer Zeit voll Hyperaktivität. Man ist nur jemand, wenn man produziert und damit erfolgreich ist. Menschen, die nicht mehr „produktiv“ sein können oder auch nicht erfolgreich sind, vor allem wenn sie in eine Lebenskrise geraten, werden an den Rand gedrängt, leider, wie mir neulich ein Freund anvertraute, auch in unseren Kirchen. Die Menschen schätzen es daher sehr, wenn man sich Zeit nimmt und ihnen zuhört, sehr rasch vertrauen sie einem ihre Sorgen an wie ich es in den Ferien mehrfach erleben durfte. In dieser Art von Begegnung geschieht für mich Mission, ereignet sich Kirche, wird das Heil Christi vermittelt, ohne allzu gross auf den Glauben einzugehen. Die Glaubensfragen kommen oftmals von alleine. Die Seelen vieler Menschen sind verwundet, sie stellen Fragen oder tragen falsche Gottes- und Kirchenbilder mit sich rum. Viele Menschen gehen gar nicht mehr zur Kirche, das bedeutet aber nicht, dass sie komplett glaubenslos seien. In diesen persönlichen Gesprächen offenbaren sie einem viel von ihren inneren , Gedanken und Sehnsüchten, aber auch von ihrem spirituellen Reichtum, der oftmals brach liegt, weil wir uns als Kirche zu sehr in unseren Glaubens- und Kirchenschablonen einnisten. Wir leben mit Stereotypen statt mit dem lebendigen Gott. Man findet diese Menschen, wenn man sich auf die Suche macht und bereit ist, sein Herz zu öffnen für Gott und den Nächsten. Lassen wir uns doch in diesem Sinne verändern und von der Bibel her wieder neu inspirieren.

 

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Pfarrerin Birgit Leisegang